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Seidenhühner: Herkunft, Merkmale und Verhalten
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Seidenhühner: Herkunft, Merkmale und Verhalten

Seidenhühner sind die flauschigsten Hühner der Welt – mit seidenweichem Gefieder, schwarzer Haut und 5 Zehen. Alles über Herkunft, Haltung und warum sie die besten Glucken sind.

4. Februar 202612 Min. Lesezeit
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Seidenhühner: Die flauschigsten Hühner der Welt

Seidenhühner sind außergewöhnliche Hühner, die durch ihr einzigartiges, seidenweiches Gefieder bestechen. Sie sehen aus wie kleine Wattebäusche und haben besondere Merkmale, die sie von allen anderen Hühnerrassen der Welt unterscheiden. Wer Seidenhühner einmal gesehen hat, vergisst sie nicht mehr.

Herkunft und Geschichte

Seidenhühner stammen aus Ostasien (vermutlich China oder Japan) und gehören zu den ältesten Hühnerrassen der Welt. Ihre Geschichte reicht über 1.000 Jahre zurück.

Historische Erwähnungen

  • Marco Polo berichtete um 1298 in seinen Reiseberichten von Hühnern mit Katzenfell in Asien

  • In chinesischen Schriften werden Seidenhühner als Heilmittel erwähnt – Fleisch und Knochen von schwarzhäutigen Hühnern gelten in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als wertvoll

  • Im 17. Jahrhundert gelangten die ersten Seidenhühner nach Europa

  • In Deutschland seit dem 19. Jahrhundert als Rassegeflügel anerkannt

Besondere Merkmale: Was Seidenhühner einzigartig macht

Seidenhühner besitzen gleich mehrere Besonderheiten, die sonst bei keiner anderen Hühnerrasse vorkommen:

Seidiges Gefieder

Das auffälligste Merkmal: Die Federn haben keine Häkchen (Hakenstrahlen), die normalerweise die einzelnen Federstrahlen zusammenhalten. Dadurch liegen die Federstrahlen lose nebeneinander und das Gefieder fühlt sich seidenweich an – fast wie Fell oder Daunen.

Folge: Das Gefieder ist nicht wasserabweisend! Seidenhühner werden bei Regen schnell durchnässt. Das ist bei der Haltung zu berücksichtigen.

Schwarze Haut und schwarzes Fleisch

Seidenhühner haben Fibromelanose – eine genetische Besonderheit, die zu einer intensiven Pigmentierung führt:

  • Haut: Dunkelblau bis schwarz

  • Fleisch: Dunkelgrau bis schwarz

  • Knochen: Schwarz bis dunkelgrau

  • Kamm und Kehllappen: Dunkelblau bis maulbeerfarben

In Asien gilt das schwarze Fleisch als Delikatesse und wird für Suppen und Heilzwecke verwendet.

5 Zehen

Während die meisten Hühner 4 Zehen haben, besitzen Seidenhühner 5 Zehen an jedem Fuß. Die fünfte Zehe wächst oberhalb der Hinterzehe und zeigt nach hinten oben.

Weitere Besonderheiten

  • Federhaube auf dem Kopf (nicht bei allen Linien gleich ausgeprägt)

  • Blaue Ohrscheiben

  • Befiederte Füße (Latschen)

  • Walnusskamm (klein und warzig)

  • Gewicht: Hennen ca. 1,1–1,4 kg, Hähne ca. 1,4–1,7 kg (Zwerghühner)

Anerkannte Farbschläge

  • Weiß (am beliebtesten), Schwarz, Blau, Wildfarbig, Rot, Gelb und weitere

Charakter: Warum Seidenhühner die perfekten Haustiere sind

Seidenhühner haben einen einzigartigen Charakter, der sie zum idealen Tier für Familien und Liebhaber macht:

  • Extrem zahm: Lassen sich problemlos auf den Arm nehmen und streicheln

  • Menschenbezogen: Folgen ihrem Halter wie kleine Hunde

  • Ruhig und friedlich: Kein Geschrei, kein Flattern, äußerst gelassen

  • Ideal für Kinder: Durch ihre Sanftheit und Größe perfekt für den Umgang mit Kindern

  • Verträglich: Vertragen sich gut mit anderen ruhigen Rassen wie Brahma

  • Ortsfest: Fliegen nicht und streunen nicht – bleiben brav in ihrem Bereich

Die besten Glucken der Welt

Seidenhühner sind die unbestrittenen Champions unter den Glucken:

  • Werden sehr häufig und zuverlässig brutig

  • Bebrüten nicht nur eigene, sondern auch fremde Eier – egal welcher Rasse!

  • Werden sogar als Ammenglucken für Enteneier, Fasaneneier und Wachteleier eingesetzt

  • Sind liebevolle und beschützende Mütter

  • Bleiben während der Brut extrem geduldig auf dem Nest

Tipp: Wenn du Küken auf natürliche Weise aufziehen möchtest, halte dir ein Seidenhuhn als Ammenglucke! Mehr zur Brut findest du in unserem Artikel Kunstbrut vs. Naturbrut.

Legeleistung

Seidenhühner sind keine Hochleistungs-Legerinnen:

  • 80–120 kleine Eier pro Jahr

  • Eierfarbe: Cremeweiß

  • Eigewicht: 35–40 g (deutlich kleiner als bei Standard-Rassen)

  • Legebeginn: Mit ca. 24–28 Wochen (spät)

  • Werden häufig brutig – legen dann Pausen ein

Wer viele Eier möchte, kombiniert Seidenhühner am besten mit produktiven Rassen wie Sussex (220–260 Eier/Jahr).

Haltung: Was Seidenhühner brauchen

Trockener Stall ist Pflicht!

Das seidenweiches Gefieder ist nicht wasserabweisend – das ist die größte Besonderheit bei der Haltung:

  • Stall muss trocken und gut überdacht sein

  • Überdachter Auslauf ist fast Pflicht (zumindest teilweise)

  • Bei starkem Regen: Zugang zum Auslauf einschränken

  • Nasses Gefieder trocknet langsam → Unterkühlung möglich

  • Besonders im Winter auf Trockenheit achten

Sitzstangen und Stall

  • Niedrige Sitzstangen: Maximal 20–30 cm Höhe (Seidenhühner springen nicht gut wegen des Gefieders)

  • Alternativ: Bodenschlafplatz mit dicker Einstreu

  • Kleine Rampen oder Treppen zum Legenest

  • Normaler Platzbedarf: Ca. 0,2–0,3 m² pro Huhn im Stall

Auslauf


  • Können nicht fliegen – niedrigster Zaun reicht (50–80 cm)

  • Greifvogelschutz empfehlenswert (Seidenhühner sind durch helles Gefieder auffällig und wehren sich kaum)

  • Trockene Bereiche zum Sandbaden bereitstellen

Gesundheit

Seidenhühner sind grundsätzlich robuste kleine Hühner, brauchen aber besondere Aufmerksamkeit:

  • Federhaube regelmäßig kürzen – zu lange Haubenfedern schränken die Sicht ein

  • Befiederte Füße auf Kalkbeine kontrollieren

  • Parasitenbefall kann im dichten Gefieder schwerer erkannt werden

  • Bei Nässe: Sofort abtrocknen und in den warmen Stall setzen

Seidenhühner mit anderen Rassen halten

Seidenhühner können mit anderen Rassen zusammen gehalten werden, aber beachte:

  • Keine dominanten Rassen in gleicher Herde (Seidenhühner sind in der Hackordnung oft ganz unten)

  • Gute Partner: Andere ruhige Rassen wie Brahma, Orpington, Zwerg-Cochins

  • Weniger geeignet: Aktive, flugfreudige Rassen wie Araucana oder Leghorn

  • Genügend Platz und Rückzugsmöglichkeiten sind wichtig

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind Seidenhühner für Anfänger geeignet?

Ja, mit einer Einschränkung: Du brauchst einen trockenen, überdachten Auslauf. Ansonsten sind Seidenhühner durch ihre Zahmheit und Genügsamkeit perfekt für Einsteiger. Mehr Anfängertipps: Hühner halten für Anfänger.

Kann man Seidenhühner-Fleisch essen?

Ja, es ist essbar und in Asien eine Delikatesse. Das schwarze Fleisch hat einen etwas kräftigeren Geschmack. In Europa werden Seidenhühner aber fast ausschließlich als Zier- und Liebhaberrasse gehalten.

Wie alt werden Seidenhühner?

Seidenhühner können 7–10 Jahre alt werden und gehören damit zu den langlebigeren Rassen.

Legen Seidenhühner im Winter?

Wenig. Die Legeleistung ist im Winter noch geringer als ohnehin schon. Dafür nutzen Seidenhühner die dunkle Jahreszeit gerne, um brutig zu werden – was für die Nachzucht im Frühjahr nützlich ist.

Wie teuer sind Seidenhühner?

Je nach Farbschlag und Zuchtqualität kosten Seidenhühner 15–40 € pro Tier. Seltene Farbschläge können teurer sein. Auf Geflügelmärkten und bei Züchtern findest du die besten Angebote.

Fazit

Seidenhühner sind eine absolut einzigartige Hühnerrasse – weder optisch noch charakterlich gibt es etwas Vergleichbares. Als Haustier, Kinderhuhn und Ammenglucke sind sie unschlagbar. In Kombination mit einer produktiven Rasse wie Sussex hast du die perfekte Herde: Viele Eier UND die flauschigsten Hühner der Welt. Die besten Rassen für Anfänger findest du in unserem Rassenvergleich.

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